Die Meerforelle…

Der frühe Vogel fängt - das ist bei der Fischerei auf Meerforellen häufig auch so...
Foto: Thomas Zier

Die Meerforelle zählt zu den Salmoniden und gilt als die Stammform der Art Forelle. Am häufigsten werden Fische zwischen 45 und 55 Zentimetern gefangen. Seltener werden Meerforellen über 65 Zentimeter Länge gelandet. Unter günstigen Lebensbedinungen können Meerforellen bis 1,2 Meter lang und bis zu 20 Kilogramm schwer werden. Das Verbreitungsgebiet der Meerforelle liegt an den Küsten Europas. Ihr Vorkommen reicht vom Nordmeer über die Ostsee bis zum Golf von Biskaya. Mit Beginn des Herbstes ziehen gewöhnlich die geschlechtsreifen, ausgewachsenen Meerforellen zum Laichen in die Oberläufe ihrer Heimatgewässer. Einige Meerforellen verbleiben jedoch im Meer. Man nennt diese Fische auch Überspringer. Sie sind eine von der Natur eingerichtete Reserve, falls es während des Aufstiegs zu einer Katastrophe kommt und die aufgestiegenen Meerforellen auf ihrer Laichwanderung umkommen. Überspringer sind blanke Fische, man erkennt sie leicht an der silbernen Farbe und an den losen Schuppen. Andere Meerforellen wiederum, die sog. Fehlwanderer, entscheiden sich für den Aufstieg in ein fremdes Gewässersystem, aus dem sie nicht abstammen. Aus biologischer Sicht ist dieses Verhalten sehr sinnvoll, da die Häufigkeit der Genvariante zunimmt und sich gleichzeitig die Anzahl mischerbiger Individuen erhöht. Das Verhalten der Fehlwanderer wirkt der genetischen Verarmung entgegen und steigert die Resistenz des heimischen Meerforellenbestandes.

Kiesiger Untergrund sowie sauberes und sauerstoffreiches Wasser sind die Voraussetzungen für das Gelingen des Laichgeschäfts und auch dafür, dass eine stattliche Anzahl an Nachkommen überleben kann. Die jungen Forellen verbringen die ersten 1-5 Jahre im Süßwasser und ernähren sich hauptsächlich von Kleintieren, wie Krebstieren, Insektenlarven und Vollinsekten. Einige der Meerforellen spezialisieren sich auf Fischnahrung, jedoch hängt dieses Verhalten in der Regel stark vom Nahrungsangebot des Gewässers ab. Mit der Zeit beginnen einige der kleinen Forellen flussabwärts zu wandern. Auf dieser Wanderung können sie Strecken bis zu 40 Kilometer am Tag zurücklegen. Auf dem Weg ins Meer lauern viele Gefahren, daher ist es wichtig, dass sich die jungen Fische in guter Kondition befinden. Die kräftigsten Meerforellen erreichen schließlich die Küste, wo sie in kurzer Zeit die doppelte Größe von Bachforellen erreichen können. Mit dem Übergang in die Küstengewässer werden aus den kleinen „Meerforellen“ im Bachforellengewand nun richtige Meerforellen. Die jungen Fische sind für das Leben im Meer bestens angepasst und können im Salzwasser überleben. Überschüssige Salze werden über Öffnungen an den Kiemen ausgeschieden.

Nachdem sich die Forellen im Mündungsbereich akklimatisiert haben, beginnt der große Festschmaus. Im Meer ist der Tisch reich gedeckt und Nahrung gibt es im Überfluss. Voraussetzung hierfür ist natürlich ein intaktes Ökosystem, mit einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt. Wenn die seichten Küstengewässer mit Leben erfüllt sind, fühlt sich auch die Meerforelle wohl und wächst bis zur Geschlechtsreife zu einer stattlichen Größe heran. Schon Anfang März steigen in der Regel die Wassertemperaturen langsam wieder an. Vor allem in den seichten Bereichen an der Küste erwärmt sich das Wasser schneller, als weiter draußen in größeren Tiefen. Das Quecksilber steigt nun schnell über 5° Celsius, parallel dazu erhöht sich auch der Stoffwechsel der Fische. Die Meerforellen werden aktiver. Vorerst jagen sie hauptsächlich mittags und in den frühen Stunden des Nachmittags. Wenn das Frühjahr fortgeschritten ist und die Sonne das Wasser stärker erwärmt hat, jagen die Fische auch ganztägig und nachts. Jetzt ist die hohe Zeit der Meerforellenangler gekommen. Dabei gilt die ganze Aufmerksamkeit den Überspringern und maßigen Grönländern. Die Chancen auf den silbernen Traumfisch sind jetzt sehr groß. Daher werden viele schöne Fische im Frühjahr gefangen. Manchmal ist auch eine Regenbogenforelle darunter, jedoch bevorzugen diese Fische kleine Streamer und seltener Blinker oder Wobbler. Verwilderte Regenbogenforellen sind wunderschön und erreichen beachtliche Gewichte. Mindestmaße oder Schonzeiten gibt es für sie nicht. Der Konditionsfaktor von Fischen lässt sich über die Fulton’sche Formel berechnen. Er sollte bei der Meerforelle 1,1 betragen. Meerforellen mit einem Konditionsfaktor < 0,9 sollten zurückgesetzt werden.

Die Meerforelle ernährt sich hauptsächlich von kleinen Fischen, Krebstieren und Würmern. Die Küstenbereiche bieten daher optimale Voraussetzungen bei der Suche nach geeigneter Nahrung. Zum Nahrungsspektrum der Meerforellen gehören unter anderem Garnelen, Sandaale und Stichlinge. Etwas später im Jahr kommen auch die Fischbrut verschiedener Meeresfische und Seeringelwürmer dazu. Die hungrigen Meerforellen werden mit den steigenden Wassertemperaturen immer aktiver. Die Fische können ihre Fettreserven von Woche zu Woche steigern und vor allem sind bei den Absteigern zu dieser Zeit deutliche Gewichtszunahmen zu verzeichnen. Mit dem Mai kommen wie jedes Jahr die Hornhechte zurück an die Küsten, man kann fast die Uhr danach stellen. Sie sind echte Konkurrenten der Meerforellen, denn auch auf ihrem Speisezettel stehen an erster Stelle Kleinfisch und Krebstiere. Jetzt müssen die Meerforellenangler viele Würfe machen und oft sind es die pfeilschnellen Hornhechte, die den Meerforellen zuvorkommen. Um dennoch erfolgreich zu sein, sollte man gezielt frühmorgens und in den späten Abendstunden fischen. Mit dem Einzug des Sommers steigen die Wassertemperaturen schnell über 15°C. Das missfällt den Meerforellen und so ziehen sie in tiefere Bereiche und weiter hinaus in Richtung offenes Meer. Auch hier ist der Tisch für die Forellen reich gedeckt.

Mit den ersten Herbststürmen fallen auch rasch die Wassertemperaturen. Die laichreifen Meerforellen haben sich bereits wieder im Küstenbereich und vor den Süßwassereinläufen versammelt. Man erkennt sie leicht, da ihre Verfärbung bereits eingesetzt hat. Grob gesagt, sehen sie jetzt wieder aus wie Bachforellen. Einige haben bereits im Sommer mit dem Aufstieg in die größeren Flussysteme begonnen. Der Weg zu den Laichgründen in den Flussoberläufen ist oft sehr weit. Wassertemperatur und Strömungsverhältnisse signalisieren den Meerforellen, zu welchem Zeitpunkt der Aufstieg beginnen kann. Das Zusammenspiel der Natur ist perfekt. Im Meer ist die Wassertemperatur bereits auf 15°C. oder darunter gesunken. Jede Frostnacht lässt das Wasser weiter abkühlen. Futterfische und Garnelen haben sich rargemacht. Einige Heringsschwärme halten sich noch in den tieferen Bereichen der Küstengewässer auf. Die Tage werden kürzer und das Jahr der Meerforelle neigt sich dem Ende, um gleich wieder aufs Neue zu beginnen. Mit packenden Drills und silberblanken Fischen, gleicht kein Tag dem anderen.

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Foto: Volker Hofmann

© meerforellenkueste.de wünscht tight lines. Wir können nicht zaubern, sind aber nah dran.

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